Die AIDS-kranke Marta lebte mit ihren 4 Kindern zwischen 4 und 13 Jahren in einem Lehmanbau des Hauses ihrer Mutter. Die Kinder stammen von verschiedenen Vätern, teilweise sind diese nicht bekannt. Martas Mutter ist alt und krank. Sie wohnt mit zwei geisteskranken Söhnen im Haus.
Als unsere Mitarbeiterin Sandra (Krippe Tia Sandra) im Februar die SODIS Wasseraufbereitung im Quartier propagierte, hörte sie von der Familie. Marta musste damals ins Spital. Die Krankheit war im Endstadion und Marta verliess das Spital nicht mehr lebend.
Was sollte aus den Kindern werden? Wie konnte man ihnen legal helfen? Vom 13jährigen Robson hörten wir, dass er wild und aufmüpfig sei, viel auf der Strasse lebe und schwer in eine Familie einzugliedern sei. Er lebt jetzt bei einem Onkel.
Dieser übernahm offiziell auch die Vormundschaft oder Aufsicht für die andern drei Kinder:
Vitoria José Ramos (15.2.2001)
Gabriela José Ramos (20.12.2003)
Woshinton da Silva Ramos (27.12.2006)
Joab Francisco und seine Frau wollten die Kinder jedoch nicht aufnehmen. Sandra fand in der Person ihrer Schwester Maria da Conceição Nascimento dos Santos eine Ersatzmutter. Joab Francisco bestätigte auf einer entsprechenden Vollmacht des Jugendamtes von Igarassu (Conselho Tutelar), dass er die Erziehung an Maria da Conceição delegiert.
Maria da Conceição Nascimento dos Santos ist 38jährig. Sie hatte Eileiterschwangerschaften und kann keine eigenen Kinder haben. Vor knapp 12 Jahren adoptierte sie die damals 3monatige Juliana, die Tochter einer ihrer Schwestern. Vor rund einem Jahr trennte sich Maria da Conceição von ihrem Lebenspartner und lebte seither alleine mit Juliana (5.5.1999). Maria da Conceição ist sehr kinderlieb und hilft immer wieder als Freiwillige in der Kinderkrippe ihrer Schwester.
Maria da Conceição nahm Vitoria, Gabriela und Woshinton Anfang März zu sich auf. Wir zahlen ihr pro Kind monatlich R$ 300.- (ca. Fr. 170.-). Von diesem Geld mietete sie ein einfaches Haus für R$ 200.- in der Nähe der Kinderkrippe Tia Sandra. Zu Fuss befindet es sich weniger als 30 Minuten von ihrem alten Wohnort entfernt. Zusätzlich finanzierten wir Kajütenbetten und Matratzen für die Kinder (Fr. 804.-).
Maria da Conceição und Sandra liessen die Kinder untersuchen. Alle sind HIV-negativ. Gabriela litt jedoch an Syphillis. Sie erhielt entsprechende Medikamente.
Im März besuchte ich verschiedentlich die Krippe Tia Sandra und lernte Maria Conceição und die Kinder kennen. Sandra führte mich zum Haus der Grossmutter. Ich besuchte auch das neue, einfache Haus von Maria da Conceição. Die Kinder machten einen fröhlichen aufgeweckten Eindruck. Vor allem Vitoria ist sehr aktiv und fröhlich. Ich merkte ihnen nicht an, dass ihre Mutter wenige Wochen vorher verstorben war.
Vitoria und Gabriela besuchen die städtische Schule, 100 Meter neben der Krippe Tia Sandra, die sie auch vorher schon besucht hatten. Vitoria besucht ausserdem Stützunterricht. Woshinton weilt während dem Tag in der Kinderkrippe Tia Sandra, wo auch seine neue ‚Mutter’ hilft.
09.06.2011; Sandra schreibt, dass Vitoria, Gabriela und Woshinton sich gut entwickeln. Die beiden Mädchen machen sich gut in der Schule.
Juliana, die 12jährige Tochter von Maria da Conceição, ist glücklich über die neuen Geschwister. Sie weiss, dass ihre ,Mutter’ keine eigenen Kinder haben kann. Auch Maria da Conceição bezeichnet die drei Kinder als Geschenk Gottes. Ihr Kinderwunsch wurde gleich dreifach erfüllt.
Das Projekt Glückliche Jugend bezeichnen wir im Fall von Vitoria, Gabriela und Woshinton bis jetzt (9.6.2011) als vollen Erfolg:
- Vitoria, Gabriela und Woshinton haben nach dem Tod ihrer Mutter ein neues Heim.
- Die drei Kinder leben jetzt besser als vorher. Sie haben Strukturen in ihrem Leben und geniessen eine Erziehung.
- Bei ihrer leiblichen Mutter und ihrer Familie vegetierten sie mehrheitlich auf der Strasse. Vitoria war schulisch im Rückstand.
- Gesundheitlich werden die Kinder betreut. So konnte die Syphillis bei Gabriela entdeckt und behandelt werden.
- Maria da Conceição und Juliana sind glücklich über den Familienzuwachs.
- Für Maria da Conceição gibt es einen willkommenen Zustupf in die Haushaltskasse.