Zwischenbericht Herbst 2011

Liebe Freunde

Dieses Jahr kamen bis 30.9. Fr. 54’000.- auf unsere Konti. Darin inbegriffen sind Spenden von andern Stiftungen, Gemeinden, Kirchgemeinden, Firmen, Vereinen und Privaten. Ihnen allen wie auch den Spendern von Naturalien und Dienstleistungen danken wir an dieser Stelle von Herzen.

Im gleichen Zeitraum gaben wir Fr. 59’000.- aus!

Unsere Arbeit konzentrieren wir immer mehr auf die Stadt Igarassu mit inzwischen über 100’000 Einwohnern. Dort haben wir gute Kontakte zu Behörden aber auch Organisationen und Einzelpersonen. Sehr wichtig für uns ist neben Isminia Calado (Finanzverwalterin) und Roseli Borges (Knabenheim Pão da Vida, Sekretärin der Obra Beneficente Hans Haller) Sandra Nascimento (Crêche Tia Sandra). Neben ihrer Kinderkrippe betreut sie die SODIS Wasseraufbereitung und baute mit uns auch das Projekt ‚Glückliche Jugend’ auf.

‚Glückliche Jugend’ entwickelt sich zu unserem Hauptprojekt. Im April schrieben wir von Paloma und ihrer Tochter Pamela Tamara. Die beiden lebten von Februar bis September bei Sandra (Krippe Tia Sandra) und ihrer Familie in Igarassu. Paloma machte sich gut in der Schule. Mit Sandras leiblicher Tochter Alexandra besuchte sie seit August einen Informatiokkurs. Auch Pamela Tamara ist für ihr Alter kräftig und gesund. Palomas Mutter Maria da Conceição da Silva wurde auf unsere Vermittlung am 7.6. im Spital von Igarassu unterbunden. – Leider gab es mit Paloma während meinem Aufenthalt Probleme: Das Vertrauensverhältnis ist zerstört. Wir mussten sie leider aus dem Projekt nehmen. Noch wissen wir nicht, was mit ihr los ist, ob sie in schlechte Gesellschaft kam, sie Drogen nimmt oder wieder mit dem Vater ihres Kindes zusammen ist. Wir werden sehen wie wir Pamela Tamara in Zukunft helfen können. Solche Rückschläge gehören leider zu den Projekten …

Victoria, Gabriela und Woshinton wohnen seit März bei Sandras Schwester Conceição. Die Ersatzmutter unternimmt einiges mit ihnen. In den Schulferien fuhren sie zu Verwandten in Barreiros im Süden von Pernambuco. Die beiden Mädchen gehen zur Schule, Woshinton ist in der Krippe. Dort hilft auch Conceição. Victoria besucht zusätzlich den Stützunterricht. Conceição muss sich einer Operation unterziehen. Während dieser Zeit betreut ihre Schwester Janaina die Kinder. Janaina ist auf der ‚Warteliste’ als Ersatzmutter. Während Victoria noch viel Erziehung braucht, ist Gabriela ruhiger. Woshinton ist sehr aktiv und unruhig. Die Psychologin empfahl, ihn in einen privaten Kindergarten zu schicken. Dort wird er mehr beschäftigt und ist pädagogisch betreut.

Sofia Isis (2.6.2011) sowie die beiden Brüder Everton José (31.5.2008) und José Marcos genannt Marcinho (7.10.2009) leben seit Juli bei Josefa und ihren drei Töchtern im Alter zwischen 5 und 21 Jahren. Sofia ist das jüngste von 8 Kindern der AIDS-kranken  Denise. Die Kleine wurde von der Familie verlassen und ist HIV-positiv. Die Jugendbehörde von Igarassu bat uns um Hilfe. Josefa will das Mädchen gar adoptieren. Bei einem Untersuch stellten die Ärzte fest, dass Sofia ausserdem einen schweren Herzfehler hat. Im Alter von 2 ½ Jahren muss sie operiert werden. – Auch die beiden Jungs vermittelte uns die Jugendbehörde. Beide Elternteile verschwanden nacheinander mit andern Partnern und liessen die Kinder bei entfernten Verwandten, die nicht für sie sorgen können. Everton leidet an Leukämie und muss noch 1 ½ Jahre in die Chemotherapie. Obwohl Everton und Marcinho noch sehr jung sind, haben sie schon viel gelitten. Sie wurden vernachlässigt und schlecht behandelt. Sie sprechen noch fast nichts, machen jedoch Fortschritte. Sie sind sehr anlehnungsbedürftig.

Die Mutter von Ana Paula (4.2007) und Anderson (11.5.2008) ist Alkoholikerin und Prostituierte. Sie verliess die Familie kurz nach der Geburt von Anderson. Auch der Vater säuft und kümmert sich nicht um die beiden. Als sie in die Krippe Tia Sandra kamen, waren die Geschwister unterernährt. Seit August leben Ana Paula und Anderson bei Maria Lucia und deren 10jähriger Tochter Wilma. Maria Lucia verlor vor einem Jahr ihren 16jährigen Sohn. Er war in Drogengeschäfte involviert und wurde erschossen. Die ‚neuen’ Kinder helfen ihr, über den Verlust hinwegzukommen. Auch diese ‚Familie’ scheint glücklich.

Anfang Jahr setzten wir uns ein hohes Ziel: Wir wollten 2011 zehn Kinder in das Projekt ‚Glückliche Jugend’ aufnehmen. Das haben wir erreicht! Jetzt geht es darum, die Spenden auch für die Zukunft sicherzustellen und nach Möglichkeit weiteren Kindern so zu helfen. Pro Kind zahlen wir monatlich R$ 300.- (ca. Fr. 150.-). Uns ist bewusst, dass das Projekt ein Tropfen auf den berühmten heissen Stein ist, aber wie obige Beispiele zeigen, bieten wir den Betroffenen eine Zukunft. Ohne uns hätten sie diese nicht …

Die Mikrokredite laufen leider nicht wie gewünscht: Bisher zahlte einzig Cibele Nascimento ihre Vorschüsse zurück. Ihr Kleidergeschäft floriert auch entsprechend. Josefa Lopes stottert ihren Kredit ab. Veronica Silva verscherbelte ihren Tapioca-Wagen und verschwand nach Paraiba. Die letzten beiden Raten à R$ 60.- sowie die Zinsen müssen wir abschreiben. Am meisten Pech hatte Flavio Correia. Im letzten Bericht sass er noch stolz auf seinem Moto. In der Zwischenzeit wurde er etwa 3 Mal überfallen. Beim letzten Mal nahmen ihm die Kriminellen auch das Moto ab. Flavio hatte erst etwa 4 Raten bezahlt. Er reiste nach São Paulo, will dort arbeiten und seinen Verpflichtungen nachzukommen. Hoffen wir, dass das klappt …

Sandra ermüdet nicht mit der Verbreitung und Kontrolle der SODIS-Wasseraufbereitung in Igarassu. Schade, helfen uns dabei nicht mehr Leute wie sie. Da wir über keine zweckgebundenen Spenden mehr verfügen, zahlen wir aus den freien Stiftungsmitteln pauschal R$ 500.- (ca. Fr. 250.-) pro Monat. Diese Entschädigung nutzt Sandra für Anschaffungen ihrer Partnerorganisationen, Kursmaterial, und Zwischenverpflegung für die Helfer. Wir sind auch in Kontakt mit Dr. Cléby Almeida, die SODIS im Landesinnern verbreiten will. Im September trafen wir sie zusammen mit Sandra und Rogéria zum Erfahrungsaustausch.

Auch im Bereich der Familienplanung gibt es nur aus Igarassu Neuigkeiten. Monatlich erhalten wir Listen mit den Daten der unterbundenen Frauen und Männer. Am 7.6. war auch Palomas Mutter dabei. Als weitere Motivation kaufen wir für das städtische Spital 10 Sets für Vasektomien. Das erhöht die Kapazität beträchtlich.

Wir hören und schreiben immer wieder von neuen möglichen Partnerstädten für die gebrauchten Hörgeräte. Am 22.9. erhielten 7 Kinder aus São Lourenço da Mata je 2 Hörgeräte. Wir hoffen, dass wir wieder enger mit dieser Stadt zusammenarbeiten können. Leider verlaufen diese Bemühungen oft im Sand, obwohl wir viel Hand bieten. Unser Spitzenjahr 2010 dürften wir jedoch übertreffen.

Im Bereich der Kinderhilfe ist die Renovation der Schlafräume und der Nasszellen im Knabenheim Pão da Vida in Igarassu abgeschlossen. Neben der Stadt Baden und der Stadt Igarassu (Arbeit) half uns eine weitere Spende das Werk zu vollenden.

Das im letzten Bericht erwähnte Material für die Krippe Tia Sandra in Igarassu konnten wir dank zweckgebundenen Spenden der Gemeinde Aesch BL, des Vereins Promover sowie einer weiteren Gönnerin kaufen.

Im Winter sandten wir Unterstützungsgesuche für die Kosten der Oficina Agua-Viva in Olinda. Eine grosszügige Spende der Christian Bachschuster-Stiftung kam im richtigen Moment. Aufgrund der wöchentlichen Berichte von Christoph Steiner-Oliveira (www.agua-viva.ch), den telefonischen Kontakt sowie persönliche Besuche sehen wir, dass das Angebot (Stützunterricht, Alphabethisierung, kreative Kurse, Musik) einem grossen Bedürfnis entspricht.

Vor einem Jahr nahmen nahmen wir mehrere Querflöten und Klarinetten mit, die das Musikhaus Inderbinen für die Oficina Agua-Viva spendete. Das Musikhaus Inderbinen empfahl das Projekt der Stadtmusik Zofingen, die uns Klarinetten und Saxophone übergab.

Den jungen Fussballern helfen wir weiterhin:

Wir besuchten Nautico, Santa Cruz und CT Barão in Recife und sprachen mit verschiedenen der betreuten Jungs. Die Hilfe ist sehr willkommen. Dank unserer Vermittlung spielen jetzt 6 Talente des Knabenheims Pão da Vida bei Nautico Recife. – Vom FC Aarau erhielten wir weitere Fussballdresses. So übergaben wir ein Set dem Projekt Recrearte in Abreu e Lima.

Der Kalender Promover Brasil (www.promover.ch) von Patrick Bucher erscheint bereits zum 6. Mal. Er kostet Fr. 29.- (exkl. Verpackung und Versand) und kann auch bei uns bestellt werden. Der Erlös geht an arme Kinder im Nordosten Brasiliens, darunter Projekte von uns.

Im Namen unserer armen Mitmenschen in Brasilien danken wir allen Spendern, Gönnern und Helfern herzlich und zählen auch weiterhin auf ihre Unterstützung.

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